Jubiläum: Volkswohnung blickt zurück – vor allem aber nach vorne

Seit 100 Jahren steht die Volkswohnung für bezahlbaren Wohnraum in der Fächerstadt. Sie hat Karlsruhe entscheidend mitgeprägt. In den Jahrzehnten des besonders dynamischen Wachstums nach dem Krieg dokumentierte der Fotograf Horst Schlesiger das Geschehen in der Stadt. Vierzehn seiner Fotos sind aktuell während der Öffnungszeiten im Foyer der Volkswohnung am Ettlinger-Tor-Platz zu sehen. Parallel dazu ist eine Ausstellung über die Geschichte des Unternehmens im Säulengang des Gebäudes jederzeit zugänglich.

Mit zwei Ausstellungen erzählt die Volkswohnung von der Entwicklung in der Fächerstadt in den zurückliegenden 100 Jahren. Im Empfangs- und Wartebereich des Gebäudes am Ettlinger-Tor-Platz 2, der Zentrale der kommunalen Wohnungsgesellschaft, können Interessierte zu den regulären Öffnungszeiten historische Fotos aus der Fächerstadt ansehen. Der Fotograf, Horst Schlesiger, dokumentierte von den 1950er- bis in die 1990er-Jahre das Stadtgeschehen in Karlsruhe. Im Fokus stehen insbesondere die großen baulichen Veränderungen der Nachkriegszeit. Es gibt einen reichen Bestand an Bildern zum Thema Wohnungsbau – insbesondere in den neuen Stadtteilen Waldstadt, Mühlburger Feld, Rintheimer Feld und Oberreut. Mit Sympathie und Präzision hielt er fest, wie Bagger die Erde durchwühlten, Richtfeste gefeiert wurden und wie neues Leben in neue Häuser einzog. Geduldig beobachtete er durch die Linse, wie Kinder ihre neuen Quartiere und Spielplätze für sich vereinnahmten. Zur Verfügung gestellt wurde das Material dankenswerterweise vom Stadtarchiv Karlsruhe.

„Die Fotos Horst Schlesigers sind für die Stadtgeschichte Karlsruhes von unschätzbarem Wert – spiegeln sie doch über 40 Jahre hinweg das öffentliche, politische und gesellschaftliche Leben der Stadt wider“, so ordnet Dr. Katrin Dort, Leiterin des Stadtarchivs, das Wirken von Schlesiger ein. Sie betont, dass der Fotograf neben der Dokumentation des Besonderen und Alltäglichen, der Arbeits- und Freizeitwelt, in der Stadt immer auch die großen baulichen Entwicklungen im Blick hatte und diese in stimmungsvollen Bildern festhielt.

Daniel Fluhrer, Baubürgermeister von Karlsruhe und in dieser Funktion Vorsitzender des Aufsichtsrats der Volkswohnung, begeistert sich ebenfalls für das Werk Schlesigers: „Die Jahrzehnte, die wir in unserer Schau betrachten, sind prägend für uns als Volkswohnung: 55 Prozent unseres heutigen Wohnungsbestands stammt aus der Zeit 1949 bis 1965. Die Fotos erzählen von dieser Dynamik, vom Optimismus des Wiederaufbaus und von einer Zeit, in der die Volkswohnung ihrem Gründungsgedanken – wie auch heute – sehr nah war: breite Schichten der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen. Wir freuen uns sehr über dieses Fenster in die Vergangenheit – es ist uns Ansporn, unseren Weg konsequent weiterzuverfolgen.“

Kurzweilig und öffentlich: Ausstellung über die Volkswohnung

Anhand von fünf Leitthemen kann man im Säulengang der Unternehmenszentrale außerdem in die Unternehmensgeschichte eintauchen: Warum brauchte es in den 1920er-Jahren überhaupt eine städtische Wohnungsbaugesellschaft? Warum war die Dammerstock-Siedlung so beispielgebend für das moderne Bauen? Wie wichtig war das Thema Ressourcenschonung zur Mitte des letzten Jahrhunderts? Welche Anstrengungen sind heute nötig, um den Bestand zu modernisieren, neuen Wohnraum zu schaffen und auf das große Ziel der Klimaneutralität hinzuarbeiten? Die Ausstellung liefert Antworten auf diese und andere Fragen, die nicht nur für die Volkswohnung, sondern die Stadtgesellschaft insgesamt prägend waren und sind.

 

Jubiläumsfestakt: Wie werden wir wohnen? Wie müssen wir bauen?

Mit einem Festakt für geladene Gäste im Kleinen Haus des Badischen Staatstheaters blickte das Unternehmen am 23. Juni unter dem Motto „Wie wollen wir leben?“ auf Zukunftsfragen und Herausforderungen für die Baubranche. So verdeutlichte Keynote-Speaker Matthias Horx, dass sich an unserem Wohnen künftig viel ändern wird – Städte und Mobilität, Funktionen einzelner Bauwerke werden neue Bedeutungen erhalten. Der Zukunftsforscher ist sich sicher: Wir werden viel flexibler werden.

Nicole Razavi, baden-württembergische Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, stellte in ihrer Würdigung der Volkswohnung heraus, wie wichtig der intelligente Umgang mit dem Bestand in den Städten sei. Mit dem Ziel, neuen Wohnraum auf bestehenden Flächen zu schaffen, gelte es, die Innenentwicklung zu fördern und dabei die knappe Ressource Fläche zu schonen.

Der Karlsruher Oberbürgermeister, Dr. Frank Mentrup, betonte mit Blick auf die Rolle der Volkswohnung in der Stadtgesellschaft: „Sieben von zehn zukünftig entstehenden Wohnungen sollen durch Förderung ein günstiges Mietenniveau haben. Das ist zukunftsweisend, ebenso wie das ehrgeizige Ziel der Volkswohnung, im Wohnungsbestand bis 2040 klimaneutral zu sein. Damit bringt sie unsere Fächerstadt einen großen Schritt voran.“

Als Geschäftsführer der Volkswohnung stellte Stefan Storz anlässlich der Jubiläumsfeier heraus, wie komplex das Arbeiten an Zukunftsaufgaben derzeit sei: „Heute beschäftigen uns die Herausforderungen durch den Klimawandel, Lieferengpässe und Baukostensteigerungen, Flächenknappheit, Fragen des Zusammenlebens und der sozialen Gerechtigkeit ebenso wie die fortschreitende Digitalisierung der Arbeits- und Lebenswelt. Und bei allen Aufgaben sind wir nicht nur ein sozial und ökologisch denkendes, sondern auch notwendigerweise wirtschaftlich handelndes Wohnungsunternehmen. Es gilt, Zielkonflikte zu moderieren und neue, vielfältige Strategien zu entwickeln.“

Auch die rund 30.000 Mieterinnen und Mieter der Volkswohnung werden Gelegenheit haben, das Jubiläum zu feiern. Bei Quartiersfesten für die Mieterschaft werden Nachbarschaft und Dialog aktiv gelebt. Nachhaltige Investitionen in den Beständen – wie eine Baumpflanzaktion, die Aufwertung von Freiflächen und Spielplätzen oder auch die Schaffung von neuen Bewegungsangeboten – verbessern die Aufenthaltsqualität und generieren Mehrwerte, die über das Jubiläum hinaus in den gesamten Stadtteil wirken.