Ich bin 101 Jahre alt und somit sogar älter als die Volkswohnung. Geboren wurde ich in Oberschlesien und musste von dort 1945 fliehen – mit nichts als meiner Handtasche, darin ein bisschen Geld. Nach mehreren Stationen und Auffanglagern habe ich mich auf eine Stelle als Zivilistin bei der US-Army in Karlsruhe beworben, und so bin ich in der Fächerstadt gelandet. 1953 zog ich mit meinen Eltern in eine Volkswohnung in der Hermann-Billing-Straße.

Nach meiner Hochzeit 1955 zog ich zu meinem Mann, einem US-Soldaten, nach Idar-Oberstein, zwei Jahre später wurde mein Sohn Mark geboren. 1959 – nach dem Tod meines Mannes – kehrte ich nach Karlsruhe zurück.

Karlsruhe ist schon einmalig.

Ich liebe die Südweststadt!

Dieses Haus wurde Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre gebaut und hat den Krieg beinahe unversehrt überstanden. Wir waren damals sehr glücklich, hier eine Volkswohnung bekommen zu haben. Ich habe über die Jahrzehnte immer in diesem Gebäude gewohnt, nur in unterschiedlichen Wohnungen; mal im Erdgeschoss, jetzt im ersten Stock. Lange Zeit haben auch meine verstorbenen Schwestern Margarethe und Barbara gemeinsam mit mir hier gelebt.

Die Angestellten der Volkswohnung sind sehr zuvorkommend und hilfsbereit. Deswegen sind wir dem Unternehmen auch all die Jahre treu geblieben. Wenn man ein Problem hat: ein Anruf, und es wird sehr schnell erledigt. Ich bin mit allem sehr zufrieden, bis heute. Und wenn jemand brummt und schimpft über die Volkswohnung, dann korrigiere ich das!

Wir haben hier eine gute Hausgemeinschaft!

Ich komme mit allen hier im Haus gut aus. Wir laden uns auch mal gegenseitig zum Kaffee ein. Was mich stört: Manchmal ist der Hausflur nicht geputzt. Da wische ich dann schnell drüber, falls meine Putzhilfe nicht kann.

Für die nächsten 100 Jahre wünsche ich der Volkswohnung, dass sie genauso weitermacht wie bisher – aber bitte die Mieten nicht zu sehr erhöht. Bauen Sie einfach weiter und weiter, dann werden Sie mächtiger als Herr Trump in Amerika!

 

Ich selbst wünsche mir, dass ich hier in der Wohnung bleiben kann. Und zwar bis zum Schluss!

Kaum zu glauben, aber wahr: Ursula P. ist ein Jahr älter als die Volkswohnung. Bis heute erfreut sich die rüstige Dame an den vielen Freizeitmöglichkeiten, die ihr Quartier Südweststadt zu bieten hat.